Oberwiera: XXL-Windrad wird nach Lärmklagen wieder abgebaut
Nur rund zweieinhalb Jahre nach seiner Inbetriebnahme soll eine der leistungsstärksten Windkraftanlagen Sachsens wieder demontiert werden. Die Anlage steht in Oberwiera im Landkreis Zwickau, ist insgesamt rund 250 Meter hoch und war erst Ende 2023 ans Netz gegangen.
Hintergrund sind anhaltende Beschwerden über Lärm und offenbar auch über tieffrequente Geräusche beziehungsweise Infraschall. Anwohner aus den umliegenden Dörfern klagten in den vergangenen Monaten immer wieder über Belastungen, die vor allem den Schlaf und die Erholung beeinträchtigt haben sollen. Die „Freie Presse“ berichtete, das XXL-Windrad habe das Nervenkostüm der Einwohner „arg strapaziert“. An erholsamen Schlaf oder einen entspannten Nachmittag sei kaum noch zu denken gewesen, seit die Anlage Strom erzeuge.
Wie das Landratsamt mitteilte, informierte der Betreiber die zuständige Umweltbehörde am 16. Juni 2026 fristgerecht über den geplanten Rückbau. Die Demontage soll ab Juli durch den Hersteller Vestas erfolgen.
Obwohl für das Windrad eine uneingeschränkte Betriebsgenehmigung vorlag, lief die Anlage laut Medienberichten von Beginn an nur mit reduzierter Leistung. Gemeinsam mit dem Hersteller wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Geräuschentwicklung zu verringern. Sogar das Getriebe wurde ausgetauscht. Die Verbesserungen reichten jedoch offenbar nicht aus, um die Beschwerden dauerhaft zu beenden.
Mit einer Leistung von sechs Megawatt hätte das Windrad rechnerisch rund 5.000 Haushalte mit Strom versorgen können. Die Investitionskosten lagen bei etwa zehn Millionen Euro. Zu den finanziellen Folgen des Rückbaus machten Betreiber und Hersteller keine Angaben.
Die Demontage gilt als aufwendig. Allein die 81 Meter langen Rotorblätter erfordern umfangreiche Transportvorbereitungen und zeitweise Straßensperrungen.
Der Fall fällt in eine Zeit, in der Sachsen beim Ausbau der Windenergie weiterhin hinter vielen anderen Bundesländern zurückliegt. 2025 gingen im Freistaat lediglich 13 neue Windkraftanlagen ans Netz. Zudem ist der bestehende Anlagenbestand mit einem Durchschnittsalter von rund 20,8 Jahren der älteste in Deutschland.
